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Networking auf Kölsch
 
Klüngel = kölsche Art des Miteinander: Mer kennt sich, mer hilft sich.
Manus manum lavat oder auf gut kölsch: eine Hand wäscht die andere.


Es gibt ein paar Dinge, die gehören zu Köln einfach dazu wie der Hopfen zum Bier oder die Butter aufs Brot. Der Dom, der Karneval, der FC. Der Rhein, unsere lieben Freude in Düsseldorf und Leverkusen, unser Kölsch. Auch der Klüngel gehört zu Kölle. Unbedingt. Manchmal steht er sogar auf der Speisekarte. Google kennt 240.000 Klüngel-Einträge, was viel ist. Die bayerische Amigo-Affäre z.B. kommt nur auf 37.500 Erwähnungen. Die artverwandte Vetternwirtschaft (Nepotismus) schlägt den Klüngel dagegen um 70.000 Einträge deutlich. Sei’s drum oder: Man muss och jünne künne... – Aber woher kommt eigentlich der Begriff „Klüngel“?

Klüngel ist (eigentlich) ein kleines Knäuel
Wer Germanistik studiert hat und sich mit Mittelhochdeutsch rumplagen musste, weiß, dass damals schon kräftig geklüngelt wurde, wobei „Klüngel“ im späten Mittelalter so viel wie „kleines Knäuel“ bedeutete, in dem ein verwobenes (vernetztes) Fadenchaos herrscht. Das war auch im guten, alten Colonia so. Ganz wichtig: Klüngel gibt es überall! In Berlin genauso wie in Hamburg, München oder Dinkelsbühl. Er heißt dort nur jeweils anders. Auch im internationalen Fußball soll, so hört man, kräftig geklüngelt werden: „Mer kennt sich, mer hilft sich“. Klar ist indes, dass der „Klüngel-Weltmeister“ aus Köln kam und Konrad Adenauer hieß. Köln Ex-OB und späterer Bundeskanzler hat nach dem Krieg ebenso wie der so populäre Kardinal Frings das Klüngeln und das Fringsen gesellschafs- und überlebensfähig gemacht. Zumindest in Köln.

Köln ohne Klüngel ist nicht denkbar. Im Positiven wie im Negativen. Letzteres ist fast immer politisch motiviert, oft am Rande der Legalität, hin und wieder auch darüber hinaus. Negativ „klüngelisch“ ist aber auch die Handtasche meiner Frau, die ich, was das tascheninterne Durcheinander angeht („Wo ist denn jetzt wieder der Schlüssel?“) als – na, Sie wissen schon! – „klüngelisch“ bezeichne. Auch eine bestimmte Kneipe in meiner Nähe ist für mich eine Klüngels-Wirtschaft. Wobei ich da trotzdem mein Kölsch trinke ... Hin und wieder jedenfalls. Und mir manchmal auch kölschen Klüngel gönne – auf dem Teller (Käse, Schwarzbrot, Röggelchen. Manch einer kommt schon geklüngelt zur Welt, na ja, der Klüngel-Faktor ist vor allem in der jecken Zeit im Februar/März hoch...

In Köln sieht man Klüngel eigentlich und an und für sich positiv. Gerne auch versehen mit dem Zusatz: Man darf sich nur nicht erwischen lassen! Ein unbekannter Chronist hat sinngemäß einmal gesagt: Kölscher Klüngel sei wie ein provinzialer Zweikomponenten-Kleber, der öffentliches und privates Interesse auf fröhlich-offene rheinische Art miteinander verschweiße, was kein Problem sei, solange Unbeteiligte nicht benachteiligt würden. Nach Möglichkeit!

Kein Tag ohne Klüngel in Köln
Wie auch immer: Es ist oftmals nur ein schmaler Grat zwischen Klüngel und Korruption, zwischen legal und sch...egal. Aber: Geklüngelt wird im Köln des Jahres 2015 jeden Tag, vielhundertfach. Unter Freunden, in der Nachbarschaft, bei der Arbeit. Nur heißt das in der heutigen Sprache anders: Netkölsching, was außerhalb rot-weißer Stadtmauern Networking ist. Auch facebook liebt die Klüngelei – und das sogar auf der ganzen Welt! (ari)

Bei der korrupten Klüngelei fließt auch schon mal Geld

Eine Klüngels-Täsch kennt jede Frau ...